100 Tage der Hoffnung

Don Bosco Outreach Calcutta setzt tägliche Essensausgabe für die Vergessenen der Stadt fort
3. Juni 2026
Berichterstattung von: P. C. M. Paul SDB
Inmitten des geschäftigen Treibens und des unerbittlichen Tempos von Kolkata vollzieht sich seit nunmehr 100 Tagen – Tag für Tag – ein stiller Akt des Mitgefühls. Von den Bürgersteigen des Bahnhofs Sealdah bis hin zu den engen Gassen von Moulali und Mothijil versorgt das „Midday Meal Program“ (Mittagsmahlzeiten-Programm) von Don Bosco Outreach Calcutta fast 180 der schutzbedürftigsten Bewohner der Stadt mit warmen, nahrhaften Mahlzeiten – und schenkt ihnen damit nicht nur Nahrung, sondern auch Würde und Hoffnung.Die Initiative, die von der Organisation „Hoffnung auf einen Besseren Morgen“ (Südtirol, Italien) unterstützt wird, erreicht am 7. Juni einen bedeutenden Meilenstein: Sie blickt dann auf 100 aufeinanderfolgende Tage ununterbrochenen Dienstes zurück. Unter der Leitung des salesianischen Priesters P. Dr. Mathew George richtet sich das Programm an Bettler, Menschen ohne familiären Rückhalt, Ältere, Kranke sowie Menschen mit psychischen Erkrankungen – all jene, die oft darum ringen müssen, überhaupt eine einzige Mahlzeit am Tag zu erhalten.Zu den Begünstigten zählt auch der 62-jährige Rafiq Ali, der auf dem Bürgersteig vor dem Bahnhof Sealdah lebt. Mit einem Teller voll dampfendem Reis und Kartoffel-Curry in den Händen beschreibt er diesen Dienst als eine wahre Lebensader. „Das ist die einzige Mahlzeit, die ich am Tag bekomme. Ohne sie müsste ich hungern. Sie behandeln uns wie Menschen – nicht wie Bettler“, sagt er.Für P. Mathew George stellt diese Initiative einen praktischen Ausdruck seines Glaubens dar. Als ehemaliger Theologieprofessor, stellvertretender Rektor eines Colleges und Provinzsekretär ist er davon überzeugt, dass sich wahre Spiritualität im Dienst an den Bedürftigen widerspiegeln muss. „Wir teilen schlichtweg das, was wir haben, mit jenen, die nichts besitzen. Jeder Teller Essen ist eine Mahnung daran, dass niemand vergessen werden darf“, erklärt er.Unter seiner Führung entwickelte sich eine Vision – die ursprünglich von der italienischen Philanthropin Petra Theiner erdacht worden war – zu einem effizienten System der täglichen Essensverteilung. Die Mahlzeiten werden jeden Morgen frisch zubereitet und anschließend mit Lasten-Rikschas zu den festgelegten Ausgabestellen transportiert, an denen sich die Begünstigten gegen Mittag einfinden.Petra Theiner verbindet bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten eine enge Beziehung mit der Stadt Kolkata. Als gebürtige Südtirolerin engagiert sie sich seit über 25 Jahren für soziale Hilfsprojekte in Kolkata, Howrah und den ärmsten Gemeinden von Dhobasole. Ihr unermüdlicher Einsatz für benachteiligte Menschen hat ihr in den lokalen Gemeinschaften großen Respekt eingebracht.„Essen ist der erste Schritt zur Würde. Wenn ein Mensch hungrig ist, zählt nichts anderes. Bei diesem Programm geht es darum, die Menschlichkeit wiederherzustellen“, sagt Theiner. Ihre langjährige Partnerschaft mit „Don Bosco Outreach“ stellt sicher, dass diese Vision auch heute noch täglich das Leben vieler Menschen berührt.Im Mittelpunkt der Arbeit steht ein engagiertes Team von Freiwilligen unter der Leitung von Sajia und Nadim. Ihr Tag beginnt noch vor Sonnenaufgang, wenn sie in einer bescheidenen Küche große Mengen an Reis, Gemüse und Currys zubereiten. Frische Zutaten werden sorgfältig gewaschen, geschnitten und gekocht – oft ergänzt durch Spenden von den lokalen Märkten.„Wir kochen so, als würden wir für unsere eigenen Familien kochen“, sagt Nadim, der sich bereits seit dem Start des Programms am 26. Februar 2026 engagiert. „Die Menschen auf der Straße haben ein Recht auf Essen, das frisch, warm und mit Sorgfalt zubereitet ist.“Der Speiseplan ist so gestaltet, dass er sowohl Abwechslung als auch eine ausgewogene Ernährung bietet. Die Mahlzeiten wechseln täglich ab und reichen von Reis mit Eier-Curry, Soja-Curry oder Kartoffel-Curry bis hin zu Khichdi und sogar Biryani. An manchen Tagen werden zusätzlich Bananen als nahrhafte Ergänzung verteilt. „Die Freude, die wir sehen, wenn jemand seinen Teller erhält, macht alle Mühen wett“, fügt Sajia hinzu.Das Programm erfährt auch seitens der städtischen Behörden große Anerkennung. Anindya Chatterjee, ein leitender Beamter der Stadtverwaltung von Kolkata, betont, dass solche Initiativen eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der städtischen Armut spielen. „Es geht nicht nur darum, die Hungrigen zu speisen, sondern darum, ihre Würde wiederherzustellen. Partnerschaften wie diese entlasten die öffentlichen Versorgungssysteme und bringen den am stärksten benachteiligten Menschen Hoffnung“, sagt er.Dieser Erfolg weckt auch Erinnerungen an den COVID-19-Lockdown, als das Team von Don Bosco an 262 aufeinanderfolgenden Tagen täglich Mahlzeiten für mehr als 1.500 Menschen bereitstellte. Für viele der Begünstigten bleibt diese Zeit unvergesslich. „Hätten sie uns damals nicht versorgt, wären wir heute nicht mehr am Leben“, erinnert sich Shanti Devi, eine Anwohnerin in der Nähe des Bahnhofs Sealdah.
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